23. Spieltag
Eine Partie auf Augenhöhe – mit Formkurven, die aktuell in entgegengesetzte Richtungen zeigen. Am 23. Spieltag sind die Haie zu Gast in Straubing am Pulverturm. Sie kommen mit drei Siegen aus den letzten vier Spielen nach Niederbayern, zuletzt mit dem Erfolg nach Penaltyschießen gegen die Adler Mannheim. Straubing dagegen verlor zuletzt drei Partien in Serie – erstmals in dieser Saison. Diese Phase kostete die Tigers sogar die Tabellenführung. Vor heimischer Kulisse soll nun die Trendwende gelingen. Für Köln bietet sich die Chance, mit einem Sieg in der Tabelle gleichzuziehen.
Das erste Saisondrittel Straubings
Nach 22 absolvierten Partien stehen die Tigers auf Platz zwei mit 45 Punkten – eine deutliche Steigerung im Vergleich zur Vorsaison, als man zum gleichen Zeitpunkt mit 34 Punkten nur Rang sieben belegte.
Die Saison verlief bis vor kurzem nahezu ideal. Straubing präsentierte sich stabil, dominierte Gegner phasenweise nach Belieben und führte die Liga zwischenzeitlich mit einem Vorsprung von acht Punkten an. Verletzungssorgen blieben weitgehend aus, die Belastungssteuerung funktionierte, das Selbstverständnis wuchs mit jedem Spiel.
Doch seit der vergangenen Woche geriet erstmals Sand ins Getriebe. Drei Niederlagen in Serie gegen Schwenningen, Berlin und München – bei einem Torverhältnis von 6:13 – beendeten die Erfolgsserie abrupt. Nicht nur Punkte gingen verloren, sondern auch die Tabellenführung an Ingolstadt.
Nun steht Trainer Craig Woodcroft erstmals in dieser Saison vor der Aufgabe, sein Team durch eine kleine Krise zu führen. Es ist der erste Belastungstest für die mentale Reife dieser Mannschaft und eine Standortbestimmung, wie belastbar die bislang so beeindruckende Entwicklung tatsächlich ist.
Ein Blick auf die Zahlen
Tore & Gegentore:
Mit 85 erzielten Toren (Platz 2) und nur 59 Gegentreffern (Platz 3) stellt Straubing eines der effizientesten Teams der Liga. Die Tordifferenz von +26 ist die zweitbeste der DEL – ein klarer Beleg für die bisherige Dominanz.
Spielverlauf:
Über die komplette Spieldauer hinweg agieren die Tigers konstant stark. Mit 24 Toren im ersten Drittel gehört Straubing zu den besten Startern der Liga. Noch bemerkenswerter: Im letzten Drittel kassieren die Niederbayern die wenigsten Gegentore der gesamten Liga. Frühe Rückstände bringen die Mannschaft kaum aus der Ruhe, stattdessen bleibt man im System und findet häufig zurück ins Spiel.
Special Teams:
Die Special Teams rangieren ligaweit jeweils auf Platz 4. Das Powerplay (25,40%) gehört dauerhaft zu den gefährlichsten, das Penalty Killing (82,35%) bewegt sich ebenfalls auf Top-Niveau.
Allerdings gab es zuletzt einen Grund zur Sorge: In den vergangenen drei Spielen kassierte Straubing vier Gegentore in Unterzahl. Zudem gehören die Tigers mit 125 Strafminuten zu den disziplinarisch auffälligeren Teams (Köln: 99 Minuten). Gegen ein starkes Powerplay wie das der Haie kann dieser Faktor schnell spielentscheidend werden.
Scoring:
Individuell führt kein Weg an Marcel Brandt vorbei. Der Verteidiger kommt bereits auf 23 Scorerpunkte (10 Tore, 13 Assists) und ist gemeinsam mit Ingolstadts Alex Breton punktbester Verteidiger der Liga. Im Oktober wurde er folgerichtig zum Spieler des Monats gekürt. Mit durchschnittlich 21 Minuten Eiszeit ist er der Taktgeber in allen Zonen.
Auch Nicholas Halloran steht bei 23 Punkten und prägt das Offensivspiel. Bemerkenswert ist die Kaderbreite: Zwölf Spieler haben bereits mindestens zehn Punkte gesammelt. Nur Ingolstadt und Mannheim kommen auf 13 – die Haie hingegen nur auf acht. Ein klarer Hinweis auf die Ausgeglichenheit und Tiefe des Straubinger Kaders.
Torhüter:
Zwischen den Pfosten überzeugt Henrik Haukeland mit konstant starken Leistungen. Besonders zuhause präsentiert sich der Norweger stabil, seine Fangquote dort liegt bei 92,59 Prozent. Die letzten drei Spiele gingen zwar verloren, doch Haukeland war dabei selten der ausschlaggebende Faktor.
Brisant aus Haie Sicht: Im ersten Aufeinandertreffen gegen die Haie knüpfte Haukeland an seine unglückliche Phase aus Düsseldorfer Zeiten an und kassierte sieben Gegentore – ein Ausreißer, den es in dieser Saison sonst kein zweites Mal gab.
Prognose
Für die Haie ist es ein Spiel, das dem Auftritt gegen Mannheim ähnelt: eng, intensiv, auf Messers Schneide. Vorteile könnten sich über die Special Teams ergeben – doch darauf kann und darf sich Köln nicht verlassen. Vor allem bei 5-gegen-5 hatten die Haie zuletzt immer wieder Probleme Gefahr auszustrahlen.
Straubing steht erstmals in dieser Saison unter echtem Druck und das vor heimischem Publikum. Gleichzeitig ist das Selbstvertrauen aus der bislang starken Saison nicht verschwunden. Es ist wahrscheinlich, dass die Tigers versuchen werden, früh Dominanz auszustrahlen und die Partie an sich zu ziehen.
Die Haie werden defensiv deutlich stabiler agieren müssen als beim ersten Duell, in dem man vier Gegentore kassierte – auch wenn man offensiv nahezu jeden Schuss im Netz unterbrachte. Dieses Maß an Effizienz wird kaum zu wiederholen sein.
Ein weiterer Erfolg für Köln würde ein deutliches Signal an die Liga senden und das Team bis an die Tabellenspitze heranführen. Die Bühne dafür ist da, die Frage ist, wer sie am Freitagabend am Pulverturm besser bespielt.
Die Partie gibt es wie gewohnt bei MagentaSport sowohl in der Konferenz (heute mit 7 Spielen) und als Einzelspiel. Durch die Konferenz führen Dennis Schulz und Patrick Ehelechner, das Einzelspiel kommentiert Christoph Fetzer.
Blick über den Tellerrand
Für den Blick über den Tellerrand empfehlen wir die Straubinger Strafbank (Instagram). Auch der Hockey Analyst (Instagram) hat seine Wurzeln in der Stadt in Niederbayern. Mit Hockey Inside betreiten die Analystjungs inzwischen auch eine Newspage. Und wenn Christoph Fetzer kommentiert weisen wir natürlich auch auf Bissl Hockey (Instagram) hin.
