25. Spieltag
Das erste von fünf Heimspielen im Dezember steht am 25. Spieltag gegen die Ice Tigers an. Die Haie surfen derzeit auf einer Welle der Begeisterung. Sechs Siege aus den letzten sieben Partien, darunter die Erfolge gegen Mannheim, Straubing und Berlin, haben das Selbstvertrauen im Team spürbar gestärkt. Besonders der Auftritt in Straubing war ein Hinweis darauf, welche defensive Stabilität Köln inzwischen abrufen kann.
Nun gilt es, diesen Trend vor heimischer Kulisse zu bestätigen – gegen einen Gegner, der auf dem Papier als Underdog gilt, sich aber in dieser Saison alles andere als kampflos präsentiert. Nürnberg trotzt der eigenen Verletzungsmisere beeindruckend und befindet sich mitten im Rennen um die Pre-Playoff-Plätze. Drei Siege und drei Niederlagen aus den vergangenen sechs Spielen zeigen jedoch, dass Konstanz weiterhin ein Thema bleibt.
Die erste Saisonhälfte Nürnbergs
Über der bisherigen Saison der Ice Tigers steht vor allem eines: Verletzungspech in ungewöhnlicher Dimension. Zwischenzeitlich fehlten sieben Stammspieler gleichzeitig. Zwar kehrten mit Samuel Dove-McFalls und Timo Bakos zuletzt zwei wichtige Akteure zurück, doch Nürnberg spielt nach wie vor häufig nur mit drei Sturmreihen. Seit der Verletzung von Constantin Braun stehen sogar nur sechs Verteidiger zur Verfügung.
Hinzu kommt die unklare Lage auf der Torhüterposition. Evan Fitzpatrick, eigentlich als Nummer eins vorgesehen, hat seit Mitte Oktober kein Spiel mehr bestritten. Zwar sitzt er als Backup auf der Bank, soll aber nur im absoluten Notfall eingesetzt werden.
Der Saisonverlauf fällt unter diesen Umständen entsprechend inkonstant aus. Mehr als zwei Siege am Stück gelangen bislang nicht, gleichzeitig konnte man lange Niederlagenserien, bis auf eine Schwächephase zwischen dem 7. und 11. Spieltag, größtenteils vermeiden.
Mit 33 Punkten rangiert Nürnberg aktuell auf Platz 9. Ein sicherer Abstand zu den Abstiegsrängen ist vorhanden, gleichzeitig liegt man nur einen Punkt vor Wolfsburg auf Rang 11. Die Situation ähnelt der des Vorjahres erstaunlich stark.
Trainer Mitch O’Keefe, der letztes Jahr aus Innsbruck nach Nürnberg kam, liefert trotz der schwierigen Voraussetzungen weiterhin attraktives und erfolgreiches Hockey ab. Die Vertragsverlängerung um zwei Jahre ist Ausdruck der Wertschätzung und des Vertrauens in seine Arbeit.
Ein Blick auf die Zahlen
Tore und Gegentore
Nürnberg erzielte bisher 81 Treffer und liegt damit ligaweit auf Platz 3 (torgleich mit den Haien). Die Offensive ist dynamisch, schnell und trägt maßgeblich die Identität des Teams. Auf der Gegenseite stehen jedoch 83 Gegentore (Platz 11), was die defensive Problematik verdeutlicht. Mit 3,3 Gegentoren pro Spiel ist der Druck auf die eigene Offensive entsprechend hoch selber zu punkten.
Spielverlauf
Die Ice Tigers starten regelmäßig stark ins Spiel und führen mit 34 Treffern das erste Drittel ligaweit an. Häufig geht Nürnberg früh in Führung, kann diese aber nicht über die volle Distanz halten. Besonders das letzte Drittel ist problematisch: 35 Gegentore kassierte man dort bereits – der Höchstwert der DEL.
Spiele nach Rückständen lassen sich kaum noch drehen. Stand es nach dem zweiten Drittel unentschieden oder lag Nürnberg zurück, gewann man nur zwei der 15 betreffenden Partien. Man könnte das dahingehend interpretieren, dass den Ice Tigers zum Ende des Spiels die Luft ausgeht. Im Hinblick auf die Verletzungsprobleme eine logische Schlussfolgerung.
Special Teams
Hier lohnt ein differenzierter Blick. Über die gesamte Saison gesehen stehen die Ice Tigers im Powerplay (17,39%) und im Penalty Killing (78,83%) jeweils auf Platz 9. Betrachtet man jedoch ausschließlich die letzten zehn Spieltage, zeigt sich ein deutlicher Aufwärtstrend: Platz 5 im Powerplay (24,0%) und Platz 3 im Penalty Killing (83,87%).
Besonders bemerkenswert: Nürnberg hat in den letzten fünf Spielen keinen Gegentreffer in Unterzahl kassiert. Die Haie kommen ihrerseits mit einem Streak von acht Unterzahlspielen ohne Gegentor.
Scoring
Nürnberg verfügt über mehrere offensive Trümpfe. Evan Barratt knüpft nahtlos an seine Vorsaison an und führt das Team mit 32 Punkten an. Tyler Spezia ist mit 12 Toren der bislang gefährlichste Vollstrecker.
Dazu kommt Brett Murray, der sich seit seiner Nachverpflichtung im Oktober mit neun Toren und 15 Punkten in 14 Spielen als echter Glücksgriff erwiesen hat. Auch Greg Meireles ist aktuell in Topform und sammelte acht Punkte in den letzten vier Begegnungen.
Torhüter
Mit einer Fangquote von 89,61 Prozent bewegt sich Nürnberg im Ligamittelfeld. Der Ausfall von Fitzpatrick führte jedoch dazu, dass Niklas Treutle die letzten 14 Partien komplett durchspielen musste – eine nicht zu unterschätzende Belastung. Begünstigt wird die Gegentorquote auch durch die Tatsache, dass Nürnberg die viertmeisten Schüsse der Liga zulässt.
Prognose
Alles deutet auf ein unterhaltsames Spiel hin. Beide Mannschaften verfügen über enorme offensive Qualität und haben zusammen bereits 22 Spiele mit mindestens vier eigenen Toren absolviert. Effizienz wird daher ein zentraler Faktor sein, um nicht früh ins Hintertreffen zu geraten.
Das verbesserte Unterzahlspiel der Ice Tigers könnte eine entscheidende Rolle spielen. Im ersten Aufeinandertreffen Ende September erzielten die Haie drei ihrer vier Treffer im Powerplay. Bei fünf gegen fünf war Nürnberg damals das aktivere Team.
Gleichzeitig haben die Haie in den letzten Wochen gezeigt, dass sie defensiv zu den stärksten Teams der Liga zählen. Besonders Janne Juvonen ist mit einer Fangquote von 93,34 Prozent derzeit in absoluter Topform.
Wenn es den Haien gelingt, die Nürnberger Offensivkräfte um Barratt, Spezia und Murray einzudämmen, eröffnen sich große Chancen auf den fünften Sieg in Folge. Nach drei Erfolgen gegen Spitzenteams ist das Spiel gegen Nürnberg zudem ein Charaktertest. Nun gilt es, dieselbe Konzentration und Motivation aufzubringen, um den positiven Trend nachhaltig zu bestätigen.
Die Partie wird bei MagentaSport sowohl in der Konferenz als auch als Einzelspiel übertragen. Mirko Heintz kommentiert das Spiel. Durch die Konferenz führen Jan Lüdeke und Experte Christoph Ullmann.
Blick über den Tellerrand
Die Extraportion Nürnberg gibt es sowohl beim Hoggygwaaf Podcast (Instagram), Max vom Eisblog (Instagram Max/Instagram Eisblog/Homepage Eisblog) oder aber auch bei Bissl Hockey (Bluesky/Instagram).
