38. Spieltag
Für die Haie ist der 38. Spieltag die dritte Station ihrer aktuellen Auswärtsreise. Nach dem 4:2-Erfolg in Nürnberg am Dienstag geht es nun nach Ingolstadt – an einen Ort, an dem vor rund zehn Wochen eine der schmerzhaftesten Niederlagen der laufenden Saison folgte. Das 3:10 sitzt noch immer im Hinterkopf, am Freitag bietet sich die Gelegenheit zur Wiedergutmachung.
Die Voraussetzungen könnten aus Kölner Sicht kaum besser sein. Die Haie präsentieren sich erneut in Topform, zehn Siege in Folge sprechen eine klare Sprache. Ingolstadt hingegen musste zuletzt etwas abreißen lassen. Nur ein Sieg aus den vergangenen vier Spielen kostete den Panthers den direkten Anschluss an die Tabellenspitze, dennoch bleibt das Team fest im Rennen um die vorderen Plätze.
Status Quo
Die Saison des ERC Ingolstadt kann trotz einiger Dellen weiterhin als großer Erfolg bewertet werden. Nach zahlreichen Abgängen wurde vor der Spielzeit vielerorts infrage gestellt, ob man an die starke Vorsaison anknüpfen könne. Nach kleineren Startschwierigkeiten beantworteten die Panther diese Zweifel eindrucksvoll und dominierten die Liga bis in den Dezember hinein, zeitweise mit einer Serie von elf Siegen in Folge.
Seitdem konnte dieses extrem hohe Niveau nicht mehr konstant gehalten werden, was den Gesamteindruck jedoch kaum schmälert. Vor allem offensiv zählt Ingolstadt weiterhin zu den gefährlichsten Teams der Liga. Aktuell steht Platz 4 mit 71 Punkten zu Buche, nur zwei Zähler hinter dem zweitplatzierten Straubing.
Trainer Marc French beweist auch in dieser Saison erneut seine Qualitäten. Trotz des Umbruchs gelang es ihm, dem Team schnell eine klare Identität zu geben und mit temporeichem, taktisch anspruchsvollem Offensivspiel zu überzeugen. Nicht wenige Experten hatten vor der Saison eine Regression erwartet. Bislang ist davon wenig zu erkennen, Ingolstadt bleibt ein ernstzunehmender Faktor im Titelkampf.
Ein Blick auf die Zahlen
Tore und Gegentore
Mit 152 erzielten Treffern stellt Ingolstadt die beste Offensive der Liga. Bereits 17-mal erzielten die Panther fünf oder mehr Tore in einem Spiel. Zum Vergleich: Die Haie als zweitbestes Offensivteam schafften dies bislang neunmal. Defensiv stehen 107 Gegentore zu Buche, was Platz 5 bedeutet. In der Summe ergibt sich eine Tordifferenz von +45, der zweitbeste Wert der Liga.
Spielverlauf
Ingolstädter Spiele beginnen häufig torreich. Im ersten Drittel erzielte man 42 Tore, kassierte aber auch 38 Gegentreffer. Diese enorme Offensivpower lässt im weiteren Spielverlauf jedoch nicht nach, im Gegenteil. Kein Team trifft im Schlussdrittel häufiger, insgesamt 58 Tore sprechen eine deutliche Sprache.
Special Teams
Das Powerplay der Panther gehört angesichts der Offensivqualität erwartungsgemäß zur Ligaspitze. Mit einer Quote von 23,4 Prozent rangiert Ingolstadt auf Platz 4, sogar leicht besser als in der Vorsaison. Auch das Penalty Killing überzeugt mit 82,2 Prozent auf Platz 3.
Scoring
Im Angriff ragt Riley Barber klar heraus. Der 31-jährige US-Amerikaner ist die Verpflichtung der Saison und kommt bislang auf 51 Punkte aus 37 Spielen. Mit 26 Treffern ist er nicht nur teamintern, sondern ligaweit der beste Torschütze. Doch auch in der Breite überzeugt Ingolstadt. 13 Spieler sammelten bereits 15 oder mehr Punkte. Hinzu kommt mit Alex Breton, Verteidiger des Jahres 24/25, einer der offensiv gefährlichsten Defender der DEL. Entsprechend gehört Ingolstadt mit einer Schussquote von 11,8 Prozent zu den effizientesten Teams der Liga und weist zudem den höchsten Expected-Goals-Wert bei erzielten Treffern auf. Über 19 Tore mehr als statistisch erwartet unterstreichen diese Qualität.
Goalies
Eine mögliche Schwachstelle findet sich am ehesten auf der Torhüterposition. Mit einer kumulierten Fangquote von 88,8 Prozent belegt Ingolstadt nur Platz 12 der Liga. Weder Devin Williams noch Neuzugang Brett Brochu konnten bislang vollständig in die Fußstapfen von Christian Heljanko treten. Dank der starken Abschlussquote bleibt das PDO dennoch überdurchschnittlich und liegt bei 100,6 auf Platz 6.
Saisonduelle
Die beiden bisherigen Saisonduelle könnten kaum unterschiedlicher gewesen sein. Das zweite Aufeinandertreffen Ende November in Ingolstadt war aus Kölner Sicht ein Ausreißer nach unten. In der bis dato schwächsten Saisonleistung wurden die Haie von den Panthern überrannt. Ingolstadt traf nahezu nach Belieben, Tobias Ancicka erlebte sein bis dato letztes Spiel im Haie-Trikot, Aaron Kaiser einen äußerst undankbaren ersten DEL-Einsatz. Am Ende stand ein deutliches 10:3, das die Haie sichtlich geschockt zurückließ.
Das erste Duell Mitte Oktober verlief deutlich ausgeglichener. In der Lanxessarena setzten sich die Haie mit 4:3 durch, ein Spiel, in dem Köln aus wenigen Chancen maximalen Ertrag zog.
In den bisherigen Duellen wurden die Special Teams unterschiedlich relevant. Im ersten Aufeinandertreffen blieb Ingolstadt in Überzahl torlos, die Partie wurde im fünf gegen fünf entschieden. Das zweite Duell entwickelte sich auch aufgrund zahlreicher Powerplays zu einem Scheibenschießen. Ingolstadt nutzte alle drei Überzahlsituationen, selbst den Haien gelang es an diesem schwierigen Abend zweimal im Powerplay zu treffen.
Prognose
Es gibt in dieser Saison nur wenige Teams, die den Haien ernsthaft Probleme bereiten konnten. München gehört dazu, Augsburg ebenfalls – und Ingolstadt. Die klare Niederlage von Ende November dürfte bei dem ein oder anderen Kölner Spieler noch präsent sein. Die entscheidende Frage wird weniger sein, ob die Haie erneut unter die Räder geraten, sondern ob sie womöglich übermotiviert auftreten.
Das Trainerteam um Kari Jalonen hat sich jedoch das Vertrauen erarbeitet, die richtige Balance zwischen Wiedergutmachung und kontrollierter Aggressivität zu finden. Ingolstadt wird wie gewohnt mit viel Energie aus der Kabine kommen, die Haie sind gewarnt und werden alles daransetzen, nicht erneut früh in Rückstand zu geraten.
Entwickelt sich eine enge Partie, könnten am Ende die Torhüter oder die Special Teams den Ausschlag geben. In beiden Kategorien haben die Haie aktuell leichte Vorteile. Klar ist auch: Die Haie von heute sind nicht mehr die Haie von vor zwei Monaten. Die vergangenen Wochen unterstreichen die mentale Stabilität des Tabellenführers. Ein Kaliber wie die Panther wird dennoch eine neue Herausforderung darstellen – mit offenem Ausgang.
Die Partie wird sowohl als Einzelspiel als auch in der Konferenz bei MagentaSport übertragen. Kommentator ist Christoph Stadtler. Durch die Konferenz führen Basti Schwele und Rick Goldmann.
Blick über den Tellerrand
Die Extraportion Ingolstadt gibt es über die Pantherholiker, sowohl Artikel als auch Podcast (Taskforce Kleeblattl) bietet die Fanpage aus Ingolstadt. Dazu verweisen wir immer mal wieder gerne auf weitere Eishockeypodcasts. Heute „Eis und Leben“ der Podcast von und mit Danny aus den Birken und Arne Uplegger (Instagram).
