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24. Spieltag

Die Haie reisen mit Rückenwind zum 24. Spieltag in die Hauptstadt. Fünf Siege aus den letzten sechs Spielen, darunter zuletzt die Erfolge gegen die Topteams aus Mannheim und Straubing, sprechen eine deutliche Sprache. Besonders die Defensivleistung am Freitag beim 2:0 Sieg in Straubing war ein Fingerzeig in Richtung Stabilität.

Berlin hingegen trotzt weiterhin einer massiven Verletzungsmisere. Auf die Niederlage am Mittwoch in Ingolstadt folgte am Freitag ein beeindruckendes 6:1 in Wolfsburg. Die Haie haben nach dem verlorenen Finale im Frühjahr sowie der deutlichen Niederlage am zweiten Spieltag in dieser Saison ohnehin noch etwas gutzumachen, und könnten nun den passenden Moment gefunden haben.

Das erste Saisonhälfte Berlins

Nach dem Eröffnungswochenende schien es, als würden die Eisbären genau dort weitermachen, wo sie in der vergangenen Saison aufgehört hatten. Köln bekam das am zweiten Spieltag deutlich zu spüren, als man trotz 3:0-Führung mit 3:7 in eigener Halle unterging.

Doch Berlin konnte diese Form nicht konservieren. Eine Saison, die zunächst nach Dominanz aussah, entwickelte sich zur Achterbahnfahrt. Auf vier Niederlagen in Folge folgten sechs Siege am Stück. Seit dem 13. Spieltag stehen sechs Siege und fünf Niederlagen zu Buche – Kontinuität sieht anders aus. Vom ersten bis zum zehnten Tabellenplatz hat die Mannschaft von Serge Aubin bereits alles durchlaufen.

Aktuell stehen die Eisbären mit 39 Punkten auf Platz 7, und damit zehn Zähler schlechter als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison. Für einen amtierenden Meister ein spürbarer Rückschritt. Allerdings gibt es dafür auch Erklärungen. Zum einen die Undiszipliniertheiten und die Verletztenliste.

Eine (Verletzten) Liste, die sich mittlerweile ohne Übertreibung als historisch bezeichnen lässt. Mit Wissmann, Niemeläinen, Geibel, Nowak, Dea, Khodorenko und Ronning fallen sieben zentrale Spieler langfristig aus – darunter Führungsspieler, Topscorer und komplette Verteidigungsreihen. Was Berlin mit vollem Kader leisten könnte, lässt sich nur schwer einschätzen, zumal vermutlich dann nicht alle genannten Spieler überhaupt den Weg nach Berlin gefunden hätten.

Ein Vorteil den die Eisbären dabei vielleicht haben, ist das Trainer Aubin diese Situation kennt. Als er noch in Hamburg die Freezers trainierte, gab es ebenfalls mal eine ähnliche Situation in der die Freezers teilweise nur mit Mühe und Not drei Reihen auf den Spielbericht brachten.

Ein Blick auf die Zahlen

Wir versuchen den Blick auf die Vorsaison als Vergleich so gut es geht außer Acht zu lassen, da die aktuelle Eisbären-Situation logischerweise deutlich hinter den Erwartungen zurückliegt.

Tore & Gegentore:

Mit 74 erzielten Toren rangiert Berlin nur auf Platz 8 und 68 Gegentoren liegen ebenfalls im Mittelfeld (Platz 7). Dazu kommt eine Tordifferenz von +6. Alles Werte die den aktuellen Tabellenplatz widerspiegeln.

Spielverlauf:

Berlin startet ungewöhnlich langsam in seine Spiele. Mit nur 15 Toren im ersten Drittel gehört man ligaweit zu den schwächsten Teams in der Anfangsphase. Nur Frankfurt und Dresden treffen seltener. Defensiv bleibt man im ersten Abschnitt allerdings stabil (14 Gegentore, einer der besten Werte der Liga).

Im weiteren Spielverlauf gelingt es den Eisbären zwar, das Tempo etwas zu steigern, doch über das zweite und dritte Drittel verteilt kassiert man zu viele Gegentore, um konstant Punkte zu sammeln.

Special Teams:

Die große Stärke der Vorsaison – das Powerplay – ist nahezu kollabiert. Von Platz 1 stürzte man auf Platz 13 (13,24%) ab. Das Penalty Killing bleibt mit 78,38% im Mittelfeld (Platz 9), aber auch hier fehlt die Stabilität, um Spiele über die Special Teams zu entscheiden. Hierbei muss man allerdings sagen das zentrale Figuren des Powerplays (Ronning,Pföderl) über weite Teile in dieser Saison gespielt haben und diese Werte nicht nur auf die Verletzten zurückzuführen sind.

Scoring:

Die Verletztenliste erschwert jede Analyse, dennoch sticht Frederik Tiffels mit 25 Punkten heraus. Er übernimmt in dieser Saison deutlich mehr Verantwortung, traf bislang jedoch erst viermal selbst. Bester Torschütze bleibt der verletzte Ty Ronning mit 12 Treffern.

In den letzten Wochen rückte Liam Kirk in den Fokus: Der Brite traf in den vergangenen drei Partien sechs Mal und könnte zur tragenden Figur in der Berliner Offensive werden.

Torhüter:

Im Tor zeigt sich ein klares Bild. Jake Hildebrand ist die unumstrittene Nummer 1 und überzeugte mit 12 Siegen aus 17 Einsätzen. Dahinter hat Jonas Stettmer einen schwereren Stand und konnte erst zwei Erfolge feiern. Mit einer kumulierten Fangquote von knapp 90% liegt das Berliner Gespann auf Rang 4 in der Liga.

Prognose

Die Haie reisen mit breiter Brust nach Berlin, und das können sie auch. Doch die Statistik der vergangenen Duelle spricht eine andere Sprache: Je sieben Gegentore in den letzten vier Aufeinandertreffen stehen weiterhin als Mahnmal im Raum. Ein wenig fühlt es sich an, als müssen die Haie die Eisbären endlich einmal bezwingen, um diesen Fluch abzuschütteln.

Berlin bleibt trotz aller Widrigkeiten gefährlich. Das Team ist schwer einzuschätzen, qualitativ aber jederzeit in der Lage, Gegner eindrucksvoll zu schlagen – das 6:1 in Wolfsburg hat das unterstrichen.

Für Köln könnten die Special Teams erneut ein Vorteil sein, zugleich macht der defensiv beinah perfekte Auftritt in Straubing Mut, dass man in der Uber Arena nicht erneut in ein Torfestival gegen sich gerät. Entscheidend wird sein, ob die Haie bei 5-gegen-5 genug Gefahr entwickeln können.

Es muss nicht zwingend das erwartete Spitzenspiel werden – aber es könnte eins werden. Mit Blick auf die aktuelle Form sind die Haie vielleicht sogar leicht favorisiert. Wichtig wird vor allem eines: Die Haie dürfen nicht wieder die Nerven verlieren. Denn der Moment, seine Nemesis zu schlagen, scheint so günstig wie lange nicht mehr.

Die Partie wird als Einzelspiel bei MagentaSport übertragen. Arne Malsch kommentiert und Ronja Jenike ist als Expertin dabei. Die Moderation übernimmt Sascha Bandermann.

 Blick über den Tellerrand

In Berlin ist abseits vom Eis einiges geboten mit Eisbaerlin (Bsky/Instagram), 2 Broken Sticks (Bsky/Instagram) und Puckgeflüster (Bsky/Instagram) gibt es in Berlin drei Podcasts/Blogs im Fanbereich. Schaut Euch bei den Dreien gerne etwas näher um, wenn Ihr mehr zu den Eisbären erfahren wollt. Dazu hat Berlin die vermutlich blühendste Presselandschaft in der DEL.