40. Spieltag
Wir starten mit dem 40. Spieltag ins letzte Viertel der Hauptrunde. Wie es mittlerweile wohl jeder mitbekommen hat: Die Kölner Haie sind auf Rekordkurs. Mit dem 3:1-Erfolg am Sonntag in Augsburg steht der KEC nun bei zwölf Siegen in Folge. Ein weiterer Erfolg am Freitag in Bremerhaven würde reichen, um den vereinseigenen Rekord aus den Jahren 1995 und 2005 einzustellen.
Die Fischtown Pinguins werden einiges dagegen haben. Der Tabellenführer wird an der Nordsee mit ordentlich Selbstbewusstsein empfangen. Für Bremerhaven geht es darum, den Vorsprung auf Platz 7 – nach dem Berliner Sieg gestern – zu halten und in Zukunft weiter auszubauen, um die direkte Qualifikation für das Viertelfinale der Playoffs zu festigen. Die Voraussetzungen für ein hochklassiges Duell sind damit gegeben.
Wo steht der Gegner und was ist noch möglich
Seit dem letzten Aufeinandertreffen am zweiten Weihnachtstag, das die Pinguins mit 0:3 verloren, hat sich das Team von Alex Sulzer spürbar freigespielt. Sechs Siege aus den vergangenen sieben Partien sprechen eine klare Sprache. In diesem Zeitraum gelangen auch Erfolge gegen Topteams wie die Eisbären und den ERC Ingolstadt, einzig Mannheim war am vergangenen Sonntag beim knappen 3:4 einen Tick zu stark.
In der Tabelle bedeutet das aktuell Platz 6 mit 66 Punkten nach 39 Spielen. Zwar ist der Rückstand auf Rang 5 von zwischenzeitlich 14 Punkten auf nun acht geschrumpft, der Blick richtet sich jedoch in erster Linie nach hinten. Die Eisbären lauern auf Platz 7, fünf – bzw. seit gestern 2 – Punkte hinter Bremerhaven. Die direkte Qualifikation für das Playoff-Viertelfinale ist das klare Ziel und aufgrund der aktuellen Form haben sich die Pinguins hierfür eine gute Ausgangsposition erarbeitet.
Die Stimmungslage ist entsprechend positiv. Nach einer für Bremerhavener Verhältnisse eher wechselhaften Saison gelang es nun erstmals, nachhaltiges Momentum aufzubauen. Vieles deutet darauf hin, dass die Pinguins rechtzeitig zum Saisonendspurt wieder zu ihrer Identität gefunden haben. Auch für Trainer Alex Sulzer ist diese Phase ein wichtiger Beleg dafür, sein Team durch schwierige Wochen geführt und stabilisiert zu haben.
Rechnerisch wäre auch ein Verpassen der Playoffs noch möglich, aber mit über 20 Punkten Vorsprung auf Rang 11 nicht realistisch.
Ein Blick auf die Zahlen
Tore und Gegentore
126 erzielte Tore bedeuten ligaweit Platz 7. Die Defensive zeigte sich zuletzt deutlich stabiler und bewies vor allem gegen offensivstarke Teams wie Nürnberg (3:1) und Ingolstadt (3:2), dass es nicht zwingend viele eigene Treffer braucht, um Spiele zu gewinnen. Mit 117 Gegentoren liegt Bremerhaven ebenfalls auf Rang 7. Betrachtet man jedoch nur die vergangenen zehn Spieltage, stehen die Pinguins mit 28 Gegentreffern auf Platz 4, knapp hinter den Haien, die in diesem Zeitraum ligaweit den Bestwert stellen (23 Gegentore).
Spielverlauf
Ein klarer Trend über die einzelnen Drittel hinweg ist in Bremerhaven kaum auszumachen. Die Pinguins agieren in allen drei Abschnitten weitgehend unauffällig, weder besonders dominant noch auffällig anfällig. Eine ausgeglichene Torstatistik von +5, +2 und -1 über die Drittel hinweg unterstreicht dieses Bild.
Special Teams
Über die gesamte Saison hinweg konnten die Pinguins den Special Teams noch nicht ihren Stempel aufdrücken. Platz 6 im Powerplay mit 20,6 Prozent und Platz 11 im Penalty Killing mit 75,6 Prozent stehen für solides Mittelmaß, insbesondere im Vergleich zu den starken Werten aus der Vorsaison. Der Blick auf die jüngste Entwicklung zeichnet jedoch ein anderes Bild.
In den vergangenen zehn Spielen rangiert Bremerhaven im Powerplay auf Platz 3 mit 28,5 Prozent und im Penalty Killing sogar auf Platz 2 mit 82,1 Prozent. In diesem Zeitraum liegen die Pinguins in beiden Kategorien sogar vor den Haien. Der Aufwärtstrend ist deutlich erkennbar und verdeutlicht, dass Bremerhaven erneut über defensive Stabilität punkten möchte.
Scoring
Offensiv liegt das Zepter weiterhin in slowenischer Hand. Jan Urbas und Ziga Jeglic führen die interne Scorerliste mit jeweils 28 Punkten an. Jeglic gehört mit einer Schussquote von 20,0 Prozent zudem zu den effektivsten Spielern der Liga. Die meisten Tore erzielten bislang Miha Verlic und Christian Wejse mit jeweils 13 Treffern. Positiv sticht weiterhin Youngster Bennet Roßmy hervor, der bereits 23 Punkte gesammelt hat. Unter den U23-Spielern ist aktuell nur Veit Oswald noch produktiver.
Goalies
Nach Jahren mit dem vielleicht besten Torhütergespann der Liga müssen die Pinguins in dieser Saison andere Wege finden. Die kumulierte Fangquote liegt bei 89,1 Prozent, was Platz 6 bedeutet. Kristers Gudlevskis ist weiterhin verletzt, Julius Hudacek konnte nach seiner Verpflichtung nur phasenweise überzeugen. Entsprechend stand Leon Hungerecker in den vergangenen neun Partien durchgehend im Tor und verzeichnet mit einer Fangquote von 90,9 Prozent einen leichten Aufwärtstrend.
Die bisherigen Duelle
Bremerhaven liegt den Haien in dieser Saison – und betrachtet man auch die vergangenen beiden Jahre, sogar darüber hinaus. Neun der letzten 13 Duelle, Playoffs eingeschlossen, gingen an Köln. In der laufenden Spielzeit bietet sich für die Haie sogar die Chance auf den Sweep. Alle bisherigen Partien wurden von Köln spielerisch kontrolliert und jeweils in regulärer Spielzeit gewonnen, zuletzt am 32. Spieltag mit einem 3:0-Erfolg in der LANXESSarena.
Besonders erfolgreich präsentierte sich bislang Maxi Kammerer, der in allen drei Saisonduellen traf und am Freitag seinen persönlichen Scoring-Streak von acht Spielen ausbauen könnte. Auffällig ist zudem: Trotz des über die Saison hinweg anfälligen Penalty Killings der Pinguins erzielten die Haie in 13 Überzahlsituationen lediglich zwei Treffer. Alle drei Siege wurden primär bei fünf gegen fünf entschieden.
Prognose
Bremerhaven ist auswärts wie zuhause ein unangenehmer Gegner, an der Nordsee vielleicht sogar noch ein wenig mehr. Die Haie werden aktuell von jedem Team mit besonderer Motivation empfangen. Jeder möchte den scheinbar unaufhaltsamen Lauf des Tabellenführers beenden. Auch am Freitag dürfte dem Team von Kari Jalonen daher alles abverlangt werden.
Die Pinguins haben in den vergangenen Wochen eindrucksvoll gezeigt, dass sie jedes Team der Liga schlagen können. In Kombination mit der zuletzt wieder stabilen Defensive und den bekannten Schwierigkeiten der Haie im Powerplay gegen Bremerhaven könnte sich ein enges Spiel entwickeln, das durch Einzelaktionen und Nuancen entschieden wird. Einen frühen Rückstand gilt es aus Kölner Sicht unbedingt zu vermeiden, um dem defensiv geprägten Spiel der Gastgeber nicht in die Karten zu spielen.
Unterm Strich deutet vieles auf ein echtes 50:50-Spiel hin – deutlich offener, als es die aktuellen Tabellenplätze beider Teams vermuten lassen.
Die Partie wird sowohl als Einzelspiel als auch in der Konferenz bei MagentaSport übertragen. Kommentator ist Patrick Pöhler. Durch die Konferenz führen Sascha Bandermann und Patrick Ehelechner.
Blick über den Tellerrand
Die Extraportion Bremerhaven bekommt Ihr über den Pinguins Podcast (Instagram) und bei Seatown Hockey (Instagram/Twitter).
