43. Spieltag
Showdown! Schreiben die Haie DEL-Geschichte oder nicht? Diese Frage steht über dem 43. Spieltag, an dem der KEC die Nürnberg Ice Tigers in der LANXESSarena empfängt. Mit dem knappen, hart erarbeiteten 3:2-Erfolg in Schwenningen am Freitag haben sich die Haie in Position gebracht, den 24 Jahre alten Ligarekord der Adler Mannheim mit 15 Siegen in Folge nicht nur einzustellen, sondern weiter auszubauen. Sieg Nummer 16 steht greifbar im Raum.
Die Ice Tigers um Trainer Mitch O’Keefe werden jedoch etwas dagegen haben. Wie viele Gegner zuletzt reist auch Nürnberg mit Selbstvertrauen und einer kleinen Siegesserie nach Köln. Und aktuell gilt für jeden Kontrahenten dasselbe: Jeder will das Team sein, das den Lauf der Haie beendet.
Wo steht der Gegner und was ist noch möglich?
Mit 59 Punkten rangiert Nürnberg aktuell auf Platz 9 und befindet sich damit auf gutem Pre-Playoff-Kurs. Der Rückstand auf Rang 6 beträgt zwar nur acht Punkte und ist rechnerisch noch nicht außer Reichweite, realistisch betrachtet richtet sich der Blick jedoch nach unten. Augsburg lauert ebenfalls acht Punkte dahinter, zudem stehen die Ice Tigers mit Wolfsburg punktgleich in direkter Konkurrenz um das Heimrecht in der ersten Playoffrunde.
Eine sportliche Krise zwischen Weihnachten und Anfang Januar mit sieben Niederlagen aus acht Spielen konnte zuletzt beendet werden. Drei Siege in Folge sorgen wieder für Rückenwind – und die Gegner dieser Phase lassen aufhorchen. Einem verdienten 4:2-Auswärtssieg in Mannheim folgte ein spektakuläres 5:4 gegen München, ehe am Freitag auch Augsburg souverän bezwungen wurde. Nürnberg ist inzwischen frei von den Verletzungssorgen der frühen Saisonphase und möchte mit komplettem Kader im Saisonendspurt noch einmal angreifen.
Ein Blick auf die Zahlen
Tore und Gegentore
Mit 135 erzielten Treffern stellt Nürnberg die siebtbeste Offensive der Liga, defensiv reicht es mit 139 Gegentoren jedoch nur zu Platz 11. Die offensive Ausrichtung unter Mitch O’Keefe ist klar erkennbar: Tempo, spielerischer Witz und Abschlussfreude prägen das Spiel. Gleichzeitig zwingt diese Spielweise die Ice Tigers häufig dazu, torreiche Spiele zu gewinnen und vier oder mehr Treffer zu erzielen, um zu punkten.
Spielverlauf
Kein Team trifft häufiger im ersten Drittel als Nürnberg. 52 Tore stehen hier zu Buche, Köln folgt knapp dahinter mit 51. Trotz 38 Gegentoren ergibt sich eine starke Differenz von +14, ligaweit Platz 2. Im weiteren Verlauf bricht dieses Muster jedoch zunehmend auf. Sowohl Offensivoutput als auch Defensivstabilität lassen nach, besonders im Schlussdrittel. Mit nur 38 eigenen Toren und 50 Gegentreffern ergibt sich dort eine klare negative Bilanz von -12.
Dieses Muster zieht sich durch die Saison. Die Ice Tigers starten stark, schaffen es aber oft nicht, Spiele konsequent zuzumachen. Noch problematischer wird es, wenn man mit einem Rückstand in die erste Pause geht. In 13 solcher Fälle gelang Nürnberg nur drei Siege.
Special Teams
Angesichts der individuellen Qualität überrascht die Schwäche der Special Teams. Das Powerplay liegt mit 17,95 Prozent lediglich auf Platz 10, das Penalty Killing mit 75,2 Prozent auf Platz 11. Auch mit Blick auf die jüngsten Siege bleibt der Effekt überschaubar. Platz 8 in Überzahl und Unterzahl ist kein spielentscheidender Faktor. Die Haie sind dennoch gewarnt: Beim letzten Heimspiel gegen Nürnberg kassierte Köln drei Gegentore in vier Unterzahlsituationen.
Scoring
Individuell gehört Nürnberg weiterhin zur Ligaspitze. Evan Barratt überragt als Topscorer der DEL mit 57 Punkten und einer Quote von 1,4 Punkten pro Spiel. Brett Murray trifft seit seiner Verpflichtung konstant und steht bei 17 Toren aus 32 Spielen. Bester Torschütze ist Samuel Dove-McFalls mit 20 Treffern. Neun Spieler sammelten bereits mindestens 20 Punkte. Ergänzt wird das Gerüst durch junge Akteure wie Thomas Heigl, Roman Kechter oder Jakob Ustorf, die zunehmend Verantwortung übernehmen.
Schuss- und Fangquoten
Am Sonntag treffen zwei der effizientesten Teams der Liga aufeinander. Nürnbergs Schussquote liegt bei starken 14,6 Prozent, Köln steht sogar bei 15,7 Prozent. Auf der Torhüterposition fällt der Vergleich klarer aus. Das Nürnberger Duo um Niklas Treutle und Evan Fitzpatrick kommt auf 90,3 Prozent (Platz 7), die Haie stellen mit 94,4 Prozent den Ligabestwert. Das resultierende PDO liegt bei Nürnberg dennoch bei sehr starken 104,9, Top 3 der Liga.
Die bisherigen Duelle
Köln gegen Nürnberg stand in dieser Saison bislang für Spektakel. Im Schnitt fielen fast acht Tore pro Spiel. Das letzte Duell in Köln endete mit einem 7:4-Erfolg der Haie nach einem offenen Schlagabtausch. Auch die beiden Auswärtsspiele am 4. und 37. Spieltag gingen jeweils mit 4:2 an den KEC. In beiden Partien gingen die Ice Tigers früh in Führung, konnten diese aber nicht ins Ziel bringen.
Ein zentraler Faktor waren die Special Teams. In elf Überzahlsituationen erzielten die Haie acht Tore – eine Quote von 70 Prozent. Wollen die Ice Tigers das vierte Duell nicht ebenfalls verlieren, müssen sie genau dort ansetzen.
Prognose
Auch in Schwenningen gewannen die Haie ein Spiel, in dem sie lange unter Druck standen und weniger Torschüsse abgaben als der Gegner. Der entscheidende Unterschied: Effizienz und mentale Stabilität. Nürnberg zieht seine Spiele nicht über defensive Kontrolle auf, was auf einen offenen Schlagabtausch hindeutet.
Beide Teams wissen ihre Chancen zu nutzen, der klare Vorteil liegt jedoch weiterhin in den Special Teams auf Seiten der Haie. Nürnberg wird den Start in Köln im Vergleich zum letzten Auftritt in der Domstadt nicht verschlafen wollen und mit Tempo aus der Kabine kommen. Das Team von Kari Jalonen wird darauf vorbereitet sein.
Am Ende dürfte entscheidend sein, wer das Transition Game des Gegners besser kontrolliert – oder ob erneut die Special Teams den Ausschlag geben. So oder so steht vor der Olympiapause ein offensives Topspiel an. Für die Fans gibt es kaum eine bessere Bühne. Der mögliche DEL Rekord ist dabei die Kirsche auf der Sahne.
Die Partie wird als Einzelspiel bei MagentaSport übertragen. Kommentator ist Konstantin Klostermann.
Blick über den Tellerrand
Die Extraportion Nürnberg gibt es sowohl bei Max vom Eisblog (Instagram Max/Instagram Eisblog/Homepage Eisblog) oder aber auch bei Bissl Hockey (Bluesky/Instagram) ab und an noch mit Sebastian Böhm (Bluesky).

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