44. Spieltag
Es ist vollbracht. Die Kölner Haie haben Geschichte geschrieben und gehen als neuer Rekordhalter in den 44. Spieltag. Wer am Sonntag beim 5:2-Erfolg über die Nürnberg Ice Tigers in der LANXESSarena war, hat die Mischung aus Begeisterung, Stolz und Erleichterung gespürt, die sich im Moment der Entscheidung entladen hat. Mit nun 16 Siegen in Folge haben die Haie den 24 Jahre alten DEL-Rekord der Adler Mannheim überboten.
Doch die Serie ist noch nicht beendet. Mit einem weiteren Sieg gegen Frankfurt könnten die Haie noch einen drauf setzen und sich mit 17 Erfolgen in Serie als einer der dominantesten Tabellenführer der Ligageschichte in die Olympiapause verabschieden.
Die Löwen aus Frankfurt werden allerdings nichts unversucht lassen, diesen letzten Schritt zu verhindern. Dass sie dazu in der Lage sein können, zeigten sie erst am Sonntag mit einem überraschend klaren 4:1-Heimsieg gegen die Eisbären Berlin.
Wo steht der Gegner und was ist noch möglich?
39 Punkte aus 43 Spielen bedeuten aktuell Platz 13 in der Tabelle – genau dort, wo der Autor dieses Artikels Frankfurt vor der Saison eingeordnet hatte. In der Mainmetropole selbst waren die Erwartungen jedoch andere. Nach den vergangenen Spielzeiten sollte erneut zumindest die Teilnahme an den Pre-Playoffs erreicht werden. Früh zeichnete sich jedoch ab, dass dieses Ziel außer Reichweite geraten würde.
Ein katastrophaler Saisonstart mit fünf Niederlagen und einem Torverhältnis von 8:26 setzte den Ton. Zwar gelang es den Löwen im weiteren Verlauf immer wieder, kleine Befreiungsschläge zu landen und auch für Überraschungen zu sorgen – unter anderem mit Siegen gegen Mannheim und Berlin – doch Konstanz stellte sich nie ein. Seit der Hälfte der Saison steht Frankfurt im Niemandsland der Liga.
Der gewünschte Befreiungsschlag unter Tom Pokel stellte sich auch nicht ein. Lag der Punkteschnitt unter Tom Rowe bei 0,882 erhöhte er sich unter Pokel nur minimal auf 0,923 – und das auch erst seit dem Sieg am Sonntag.
Der Vorsprung auf Schlusslicht Dresden beträgt komfortable 16 Punkte, gleichzeitig ist Platz 10 bereits 15 Zähler entfernt. Man könnte den Fokus bereits vollständig auf die kommende Saison richten, praktisch wird das natürlich nicht geschehen. Pokel wird die verbleibenden Spiele nutzen wollen, um seine Position für die Zukunft zu festigen. Zudem stehen Personalentscheidungen an, die das Gesicht der Löwen über den Sommer hinaus prägen werden. Unterm Strich wird man in Frankfurt jedoch auch erleichtert sein, trotz zwischenzeitlicher apokalyptischer Szenarien nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben.
Ein Blick auf die Zahlen
Tore und Gegentore
Die nackten Zahlen zeichnen ein klares Bild. Frankfurt stellt mit 102 erzielten Toren die zweitschwächste Offensive der Liga und mit 168 Gegentreffern die zweitschlechteste Defensive. Einzig Schlusslicht Dresden weist noch schlechtere Werte auf. Besonders defensiv klafft eine große Lücke: Die Löwen kassierten 15 Gegentore mehr als das nächst schlechteste Team. Mit einer Tordifferenz von -66 steht Frankfurt folgerichtig auf dem vorletzten Platz.
Spielverlauf
Auch über die einzelnen Drittel hinweg zeigt sich ein ähnliches Muster. Frankfurt gehört in nahezu allen Abschnitten zu den schwächsten Teams der Liga. Lediglich im zweiten Drittel liegt man mit der Tordifferenz auf Platz 12. Besonders problematisch ist der Spielbeginn: 53 Gegentore im ersten Drittel sind der zweitschlechteste Wert der DEL und bringen die Löwen regelmäßig früh ins Hintertreffen.
Special Teams
Im Bereich der Special Teams sind zumindest leichte Fortschritte erkennbar. Das Powerplay liegt bei 20,45 Prozent (Platz 9), das Penalty Killing bei 78,01 Prozent (Platz 8). Vor allem im Unterzahlspiel ist unter Tom Pokel ein klarer Turnaround gelungen. Bis zum 9. Spieltag stellte Frankfurt noch das schlechteste Penalty Killing der Liga, inzwischen bewegt man sich zumindest im Mittelfeld.
Scoring
Topscorer der Löwen ist Linus Fröberg mit 31 Punkten, was ligaweit jedoch nur für einen Platz innerhalb der Top 40 reicht. Bester Torschütze ist Cameron Brace mit 15 Treffern. Erwähnenswert bleibt Maksim Matushkin, der mit 28 Punkten zweitbester Scorer ist und wie gewohnt aus der Defensive heraus Akzente setzt.
Schuss- und Fangquoten
Auch in Sachen Effizienz und Goaltending bestätigt sich das Gesamtbild. Die Schussquote liegt bei 9,75 Prozent, die kumulierte Fangquote der vier eingesetzten Torhüter Pantowski, Brenner Tokarski und Schumacher bei 87,95 Prozent. Beide Werte bedeuten einen der letzten Plätze (12./13.). Das resultierende PDO von 97,7 unterstreicht, dass Frankfurt in dieser Saison weder über Effizienz noch über Torhüterleistungen Spiele nachhaltig für sich entscheiden konnte.
Die bisherigen Duelle
Wer angesichts dieser Zahlen von einem Selbstläufer ausgeht, wird jedoch gewarnt sein. Die Haie stehen am Dienstag erst vor dem dritten möglichen Saisonsieg gegen Frankfurt. Am 8. Spieltag setzte es eine 1:2-Niederlage in Frankfurt – zum damaligen Zeitpunkt die vierte Saisonniederlage des KEC. In dieser Partie machten sich die Haie das Leben selbst schwer, agierten offensiv zu inkonsequent und defensiv zu fehleranfällig.
Dass es sich dabei um einen Ausrutscher handelte, wurde in den folgenden Duellen deutlich. Am 14. Spieltag dominierten die Haie die Löwen in der LANXESSarena und gewannen deutlich mit 5:0. Auch das zweite Gastspiel in Frankfurt endete mit einem 4:1-Erfolg für Köln. Zwar begann auch diese Partie äußerst dominant, doch Undiszipliniertheiten im Mittelabschnitt machten sie unnötig spannend. Interessant ist hier der mentale Kontext. Neben dem erreichten Rekord ist das Spiel am Dienstag das letzte vor der Olympiapause – ähnlich wie das dritte Duell am 31. Spieltag unmittelbar vor Weihnachten.
Bereits acht Haie-Spieler konnten in dieser Saison gegen Frankfurt treffen. Gregor MacLeod und Valtteri Kemiläinen führen diese Liste mit jeweils zwei Toren an.
Prognose
Der Rekord ist gebrochen – und nun? Diese Frage steht über dem Duell. Kapitän Moritz Müller sprach nach dem Spiel gegen Nürnberg offen darüber, wie schwierig es sein kann, im Kopf nicht bereits einen Schritt weiter zu sein und an die Abreise nach Cortina bzw. in den Kurzurlaub zu denken. Genau darin liegt aber auch eine Chance. Die Haie können sich selbst beweisen, auch diese mentale Herausforderung zu meistern.
Die Favoritenrolle ist eindeutig verteilt. Doch sie war es auch beim ersten Duell der Saison – und ebenso beim jüngsten Auftritt der Eisbären in Frankfurt. Dieses Spiel liefert einen klaren Fingerzeig, was aus Kölner Sicht nicht passieren darf. Undiszipliniertheiten und unnötige Strafen laden jeden Gegner ein, selbst ins Spiel zu finden.
Für die Haie wird es darauf ankommen, auf allen Ebenen konzentriert zu bleiben, Struktur und Disziplin hochzuhalten und den eigenen Anspruch erneut auf das Eis zu bringen. Gelingt das, spricht wenig dagegen, sich mit einem weiteren Sieg und einem neuen DEL-Rekord in die Olympiapause zu verabschieden. Kari Jalonen lobte nach dem Rekordspiel die Vorbereitung der Spieler auf die Spiele, mal schauen ob er das heute auch wieder sagen kann.
Die Partie wird bei MagentaSport sowohl als Einzelspiel als auch in der Konferenz übertragen. Kommentator ist Adrian von der Groeben. Durch die Konferenz führen Sascha Bandermann und Rick Goldmann.
Blick über den Tellerrand
Die Extraportion Frankfurt gibt es bei den Bembelbros (Podcast in Pause und Homepage). Auch die ‚Dump & Chase‘ (Homepage) hat Ihre Wurzeln in der Mainmetropole.
