Viertelfinale
Im Sharkbite dieser Woche werfen wir gemeinsam mit Martina einen detaillierten Blick auf die Viertelfinalserie gegen Schwenningen und analysieren die einzelnen Mannschaftsteile sowie die Special Teams. Im heutigen Vorbericht zur Serie selbst richten wir den Fokus darüber hinaus auf einige übergeordnete Aspekte und Rahmenbedingungen, die für das Duell zwischen den Wild Wings und den Haien entscheidend sein könnten. Für die weiteren Spiele der Serie wird es – wie bereits im Vorjahr – kurze Ankündigungen über die Social-Media-Kanäle geben.
Die Hauptrunde beider Mannschaften
Die Kölner Haie werden auf die Hauptrunde 2025/2026 unabhängig vom Ausgang der Playoffs noch lange zurückblicken. Zu außergewöhnlich war diese Spielzeit. 116 Punkte aus 52 Spielen, dazu zwei markante Serien mit 26 Spielen in Folge gepunktet sowie 16 Siegen am Stück – Werte, die die Saison historisch einordnen.
Dabei begann die Spielzeit alles andere als ideal. Nach der 2:4-Auftaktniederlage gegen München folgte ein 3:7 gegen den amtierenden Meister aus Berlin. Besonders die Art und Weise dieses Spiels, nach zwischenzeitlicher 3:0-Führung, ließ Erinnerungen an die Finalserie der Vorsaison aufkommen und sorgte früh für Unruhe. Die Reaktion der Mannschaft fiel jedoch entsprechend aus. Bereits am dritten Spieltag gelang – ausgerechnet gegen Schwenningen – der erste Saisonsieg. Der Startpunkt einer Entwicklung, die in eine der konstantesten Spielzeiten der Klubgeschichte mündete.
Vor allem die Monate Dezember und Januar mit jeweils 2,7 Punkten pro Spiel unterstreichen diese Konstanz eindrucksvoll. Ein Faktor, der den Haien in den vergangenen Jahren häufig gefehlt hatte, wurde in dieser Saison zur größten Stärke. Auch die Olympiapause brachte keinen Bruch. Mit vier Siegen in Folge meldete sich das Team nahtlos zurück.
Auch Schwenningen kann für sich eine gewisse Form von Konstanz beanspruchen – allerdings in einem anderen Kontext. Über weite Teile der Saison bewegten sich die Wild Wings stabil im Bereich der Plätze 8 bis 10. An 42 von 52 Spieltagen belegte man genau diese Regionen, seit Anfang Dezember nahezu durchgehend.
Der Weg dorthin war jedoch von Schwankungen geprägt. Zwischen dem 25. und 33. Spieltag verlor Schwenningen neun Spiele in Folge und fiel damit aus einer zuvor vielversprechenden Phase, in der man kurzzeitig sogar in den Top 6 stand. Am Ende steht Platz 9 mit 72 Punkten – nahezu identisch zur Vorsaison, in der jedoch nach der 1. Playoff-Runde Schluss war.
Ein Blick auf die Arenen
Die LANXESSarena hat in dieser Saison mehrfach unter Beweis gestellt, welche Rolle sie für die Haie spielt. Selbst ein Spiel gegen den Tabellenletzten aus Dresden an einem Mittwoch war ausverkauft – entsprechend wenig überraschend ist es, dass auch die ersten beiden Heimspiele der Serie am 27. und 31. März bereits vollständig vergriffen sind – Rückläufer und vereinzelte VIP-Tickets außen vor. Dieses Bild dürfte sich im weiteren Verlauf der Serie fortsetzen.
Besonderheit in dieser Serie: Die Haie haben im Vorfeld ihr Heimrecht zur besseren Planbarkeit abgegeben und starten jede Serie auswärts. Sollte es zu einem siebten Spiel kommen, würde Köln jedoch zwei Heimspiele in Folge austragen. Die – von uns „Lex LANXESS“ genannte – Regelung greift damit im zweiten Jahr ihres Bestehens erstmalig.
Auch in Schwenningen ist mit einer vollen Halle zu rechnen. Die Helios Arena wird ihre Mannschaft lautstark unterstützen, auch wenn sie in dieser Saison nicht mehr die uneinnehmbare Festung vergangener Jahre ist. Nach Platz 1 in 2024 reicht es diese Saison nur für Rang 8 (Köln Platz 2). Auswärts belegt man Platz 9, konnte jedoch immer wieder auch Topteams schlagen (Köln Platz 1).
Ein Blick auf die Zahlen
Tore und Gegentore
Mit 147 erzielten Treffern stellen die Wild Wings die elftbeste Offensive der Liga. Defensiv kassierte man 157 Gegentore, was Rang 9 bedeutet. Die daraus resultierende negative Tordifferenz unterstreicht das Gesamtbild einer Mannschaft, die sich in vielen Bereichen im Ligamittelfeld bewegt, ohne klare Ausschläge nach oben oder unten zu zeigen.
Spielverlauf
Über die ersten beiden Drittel hinweg agiert Schwenningen weitgehend im Ligadurchschnitt. Auffällig ist die defensive Stabilität im zweiten Drittel, in dem man die drittwenigsten Gegentore der Liga kassiert.
Im Schlussabschnitt gehört Schwenningen sowohl offensiv als auch defensiv zu den Top 6 der Liga. Die Wild Wings geben sich selten auf und sind in der Lage, Spiele auch spät noch einmal zu drehen oder zumindest offen zu gestalten – ein Muster, das auch die Haie in der Hauptrunde bereits erfahren mussten.
Special Teams
Das Powerplay der Wild Wings liegt mit 21,52 Prozent im soliden Ligamittelfeld auf Platz 8. Auch das Penalty Killing bewegt sich mit 76,62 Prozent auf Rang 9 in einem ähnlichen Bereich. Die Special Teams sind damit kein klarer Vorteil, aber auch keine gravierende Schwäche. Sie fügen sich in das Gesamtbild einer Mannschaft ein, die in vielen Bereichen solide, aber selten dominant auftritt.
Scoring
Offensiv lebt Schwenningen von einzelnen Leistungsträgern. Zwar konnten 17 Spieler zweistellig punkten, doch nur acht Akteure erreichten die Marke von 20 Punkten, lediglich sechs Spieler trafen zweistellig.
Kyle Platzer führt das Team mit 37 Punkten an, bewegt sich damit ligaweit jedoch nur im erweiterten Bereich der Top 40. Alexander Karachun ist mit 21 Treffern bester Torschütze und sorgte durch sein Tor am Sonntag dafür, dass die Wild Wings überhaupt im Viertelfinale stehen.
Hinzu kommen die Spink Brüder, die mit 31 bzw. 30 Punkten eine konstante offensive Basis liefern und seit Jahren feste Größen im Spiel der Wild Wings sind.
Schuss- und Fangquoten
Schwenningen gab die achtmeisten Schüsse der Liga ab, nutzt diese jedoch nur mit einer Quote von 10,0 Prozent (Platz 13). Hier zeigt sich eine der zentralen Schwächen: die Chancenverwertung.
Im Tor hingegen sind die Wild Wings deutlich stabiler aufgestellt. Joacim Eriksson, Neuzugang Chris Gibson und Michael Bitzer kommen gemeinsam auf eine Fangquote von 89,78 Prozent (Platz 5). Eriksson konnte nach einer schwächeren Vorsaison wieder an seine Topform anknüpfen und liegt mit 91,11 Prozent persönlich in den Top 7 der Liga.
Das daraus resultierende PDO von 99,8 (Platz 10) unterstreicht das insgesamt ausgeglichene, aber nicht herausragende Niveau der Mannschaft.
Prognose
Auf dem Papier gehen die Haie als klarer Favorit in diese Serie. Die Hauptrunde, die individuelle Qualität und die gezeigte Konstanz sprechen deutlich für den KEC. Gleichzeitig haben die Playoffs ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten – und gerade die Haie als Außenseiter vergangene Saison haben gezeigt, welches Potenzial in ihnen stecken kann.
Ein zusätzlicher Faktor ist der Serienbeginn auswärts. Ein früher Rückstand könnte Druck aufbauen, gleichzeitig würde sich die Situation bei umgekehrtem Verlauf spiegeln. Auch die Frage nach dem Rhythmus ist offen: Während Köln aus einer spielfreien Phase kommt, stehen die Wild Wings bereits im Wettkampfmodus.
Entscheidend wird sein, wie schnell die Haie ihr Niveau erreichen und ob es gelingt, von Beginn an Kontrolle über die Serie zu übernehmen. Ruft das Team von Kari Jalonen seine Leistung ab, spricht alles für Köln. Voraussetzung ist jedoch ein konzentrierter Start und die Fähigkeit, früh ein klares Signal zu setzen.
Die Partie wird bei MagentaSport als übertragen. Kommentator ist Matthew Genest-Schön, sein Experte Patrick Ehelechner und Moderator ist Konstantin Klostermann.
Blick über den Tellerrand
Die Extraportion Schwenningen gibt es über Martina Fröhlich (Bluesky/Instagram). Sie ist die Konstante Besetzung bei uns, wenn wir uns weitere Infos zu und aus Schwenningen wünschen.
