Halbfinale
Wir haben bereits am Montag gemeinsam mit Kevin von Eisbaerlin im Sharkbite ausführlich über das anstehende Halbfinale zwischen den Haien und den Eisbären gesprochen. Dabei ging es vor allem um die einzelnen Mannschaftsteile, den Staff sowie die Special Teams. Im heutigen Vorbericht richten wir den Fokus nun noch einmal gezielt auf den Gegner aus Berlin und wagen eine vorsichtige Prognose.
Für die einzelnen Spiele wird es – wie bereits im Viertelfinale – kurze Ankündigungen über die Social-Media-Kanäle geben.
Die Hauptrunde der Eisbären
Die Eisbären spielten in dieser Saison eine bemerkenswert konstante, wenn auch nicht ganz so dominante Hauptrunde wie in den Jahren zuvor. Seit dem 15. Spieltag bewegte sich das Team – mit nur wenigen Ausnahmen – stabil auf den Plätzen 6 und 7. Die längste Niederlagenserie in diesem Zeitraum betrug vier Spiele, die längste Siegesserie fünf – und genau diese fiel in die entscheidende Phase zum Ende der Hauptrunde.
Dabei begann die Saison durchaus mit einem anderen Eindruck. Nach dem überzeugenden 7:3-Erfolg in Köln am zweiten Spieltag schien es zunächst, als würden die Eisbären nahtlos an ihre dominante Finalserie aus der Vorsaison anknüpfen. Doch es folgten vier Niederlagen in Serie – startend mit dem „Skandalspiel“ in Mannheim – und erstmals entstand das Gefühl, dass Berlin in dieser Spielzeit verwundbarer sein könnte.
Ein wesentlicher Faktor dafür war eine außergewöhnlich lange Verletztenliste. Mit Kai Wissmann fehlte der wichtigste Verteidiger bereits zum Saisonstart und kehrte erst zur Olympiapause zurück. Korbinian Geibel fiel ebenfalls lange aus und wird nach einer erneuten Verletzung vor den Playoffs in dieser Saison nicht mehr eingreifen können. Dazu kamen mit Blaine Byron (seit Januar), Patrick Khodorenko (Saisonaus nach Knieverletzung) sowie zwischenzeitlich Jake Hildebrand, Lean Bergmann und Ty Ronning mehrere zentrale Ausfälle.
Diese personellen Rückschläge hinterließen Spuren. Am Ende standen 85 Punkte und Platz 6 – ein Ergebnis, das sich Berlin im engen Fernduell mit Bremerhaven erst am letzten Spieltag sichern konnte.
Die bisherigen Duelle
Die vier Duelle der Hauptrunde zwischen Köln und Berlin boten durchweg Unterhaltung und in Teilen auch Drama.
Am zweiten Spieltag setzten die Eisbären mit dem 7:3 in Köln ein klares Ausrufezeichen. Besonders bemerkenswert: Die Haie führten bereits mit 3:0, ehe Berlin die Partie komplett drehte.
Die Antwort der Haie folgte in den beiden Auswärtsspielen in Berlin. Sowohl am 24. als auch am 30. Spieltag setzte sich Köln jeweils mit 4:3 nach Penaltyschießen durch. Zwei Zusatzpunkte, die man insbesondere Nate Schnarr verdankte.
Das letzte Aufeinandertreffen am 50. Spieltag könnte bereits als Blaupause für die Serie dienen. In einer engen, defensiv geprägten Partie setzten sich die Eisbären mit 1:0 in der LANXESSarena durch. Es war erst das zweite Mal in dieser Saison, dass die Haie ohne eigenen Treffer blieben.
Ein Blick auf die Zahlen
Tore und Gegentore
Mit 171 erzielten Treffern stellen die Eisbären die sechstbeste Offensive der Liga. Defensiv stehen 157 Gegentore zu Buche, was Rang 8 bedeutet. Die Zahlen spiegeln eine solide, aber im Vergleich zur Vorsaison weniger dominante Saison wider, in der Berlin vor allem über Phasen Stabilität, aber seltener klare Überlegenheit ausstrahlte.
Spielverlauf
Über alle Drittel hinweg bewegten sich die Eisbären im oberen Tabellendrittel. Die Tordifferenzen sind durchweg leicht positiv, ein klarer Schwachpunkt über die Spielabschnitte hinweg ist nicht erkennbar.
In den Playoffs zeigt sich jedoch ein verändertes Bild. Berlin startet aktuell stärker als jedes andere Team in seine Spiele und erzielte bereits 8 Tore im ersten Drittel. Im weiteren Verlauf nimmt die offensive Durchschlagskraft jedoch deutlich ab. Mit nur einem Treffer im Schlussabschnitt rangieren die Eisbären hier aktuell am unteren Ende der Playoff-Statistik. Für die Haie bedeutet das: höchste Wachsamkeit zu Beginn der Spiele.
Special Teams
Die Special Teams stellen eine der auffälligsten Entwicklungen der Berliner Saison dar. Nach dem besten Powerplay der Liga im Vorjahr (27,7%) fiel die Quote in dieser Spielzeit deutlich ab. Mit 16,0 Prozent belegt Berlin hier nur Rang 14. Auffällig ist vor allem die Konstanz – die Marke von 17 Prozent wurde über die gesamte Saison hinweg nur einmal übertroffen.
In den Playoffs zeigte sich zunächst eine Verbesserung. In den ersten beiden Spielen gegen Straubing traf Berlin zweimal in acht Überzahlsituationen (25%). Im weiteren Verlauf fiel die Quote jedoch wieder auf 17,7 Prozent zurück.
Das Penalty Killing hingegen bewegte sich über die gesamte Saison hinweg im soliden Bereich um 76 bis 80 Prozent. In der Serie gegen Straubing kassierten die Eisbären 4 Gegentore bei 21 Unterzahlsituationen (81%), was im Playoff-Vergleich zu den besten Werten gehört.
Scoring
Offensiv werden die Eisbären aktuell maßgeblich von zwei Spielern getragen. Liam Kirk avancierte mit 55 Punkten nicht nur zum Topscorer, sondern setzte mit Treffern in zehn Spielen in Folge eine beeindruckende Bestmarke.
Hinzu kommt Ty Ronning, der nach seiner Verletzung rechtzeitig zu den Playoffs in Topform zurückgekehrt ist. Trotz nur 34 Hauptrundenspielen kommt er auf 37 Punkte und führt aktuell mit 10 Punkten die Playoff-Scorerliste an.
Frederik Tiffels ist mit 38 Assists der beste Vorlagengeber der Berliner gewesen. Auch Marcel Noebels, kolportierter Neuzugang der Haie, spielte eine solide Saison mit 29 Punkten in 42 Spielen und einer Schussquote von 15,09 Prozent.
Schuss- und Fangquoten
Mit der siebtmeisten Anzahl an Schüssen und einer Abschlussquote von 11,05 Prozent (Platz 5) agieren die Eisbären offensiv effizient, bleiben jedoch hinter den Spitzenwerten der Vorsaison zurück (12,5%, Platz 1).
Im Tor bilden Jake Hildebrand und Jonas Stettmer ein stabiles Duo. Gemeinsam kommen sie auf eine Fangquote von 89,46 Prozent (Platz 6). Hildebrand erhielt über die Saison hinweg die meisten Einsätze, während Stettmer die komplette Serie gegen Straubing absolvierte.
Da Hildebrand erst kürzlich von seiner Verletzung zurückgekehrt ist, deutet vieles darauf hin, dass Stettmer die Serie gegen Köln beginnen wird. Seine Leistungen gegen die Offensivreihen der Tigers waren ein entscheidender Faktor für den Halbfinaleinzug.
Ein Blick in die Arenen
Mit Köln, Berlin, Mannheim und München stehen die vier zuschauerstärksten Standorte der Liga im Halbfinale. Ausverkaufte Arenen und maximale Aufmerksamkeit sind damit garantiert.
In Köln wie in Berlin sind sämtliche – feststehende – Spiele der Serie bereits restlos vergriffen. Auch für mögliche weitere Partien zeichnet sich ein identisches Bild ab. Die Rahmenbedingungen für eine hochklassige Serie sind damit gesetzt.
Prognose
Köln gegen Berlin – das ist nicht nur ein Klassiker, sondern zugleich das Rematch des letztjährigen Finals. Die Rollenverteilung ist klar, aber nicht eindeutig. Die Haie gehen nach einer historischen Hauptrunde und einem souveränen Viertelfinale als Favorit in die Serie.
Gleichzeitig stehen ihnen die amtierenden Meister gegenüber – ein Team, das trotz aller Rückschläge weiterhin über enorme Qualität und Playoff-Erfahrung verfügt. Seit 2021 konnte kein Team eine Serie gegen die Eisbären gewinnen – die letzte verlorene Serie war das Viertelfinale 2018/19 gegen den EHC München.
Beide Mannschaften werden sich zunächst über defensive Stabilität definieren. Köln ließ im Viertelfinale nur 5 Gegentore in 4 Spielen zu, zeigte aber auch Phasen von Unkonzentriertheit. Gegen Spieler wie Ronning oder Kirk kann das schnell bestraft werden.
Ein zentraler Faktor dürften die ersten beiden Spiele sein. Gerät eines der Teams früh in Rückstand, könnte sich der Druck schnell aufbauen. Verläuft die Serie dagegen ausgeglichen, sprechen Kadertiefe und Konstanz eher für die Haie.
Am Ende wird es – wie so oft auf diesem Niveau – auf Details hinauslaufen. Special Teams, Effizienz und Spielkontrolle in den entscheidenden Momenten werden den Unterschied machen.
Die Partien werden wie gewohnt bei MagentaSport übertragen.
Blick über den Tellerrand
In Berlin ist abseits vom Eis einiges geboten mit Eisbaerlin (Bsky/Instagram), 2 Broken Sticks (Bsky/Instagram) und Puckgeflüster (Bsky/Instagram) gibt es in Berlin drei Podcasts/Blogs im Fanbereich. Dazu hat Berlin die vermutlich blühendste Presselandschaft in der DEL.
