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Marcel Noebels

Die Haie holen Erfahrung. Und zwar eine Form von Erfahrung, die man in der DEL nicht beliebig findet. Marcel Noebels kommt nicht als klassischer Ergänzungsspieler nach Köln, sondern als einer der profiliertesten deutschen Stürmer der vergangenen Jahre. Geboren am 14. März 1992 in Tönisvorst, Linksschütze, – laut Eliteprospects – 1,91 Meter groß, 92 Kilogramm schwer, flexibel als Center oder Flügel einsetzbar: Das Profil liest sich zunächst sachlich. Die Karriere dahinter ist deutlich größer.

Noebels verlässt die Eisbären Berlin nach zwölf Jahren, fünf Meisterschaften und einem Abschied, der sportlich kaum sauberer hätte ausfallen können. Im entscheidenden fünften Finalspiel gegen Mannheim bereitete er zwei Tore vor, Berlin gewann die Serie 4:1. Danach war klar: Die Tür in Berlin geht zu. Die nächste soll in Köln aufgehen. Was bereits letztes Jahr ein Thema war, hat sich zur kommenden Saison bewahrheitet.

Werdegang

Noebels ist kein Spätentwickler. Sein DEL-Debüt gab er 2009/10 für die Krefeld Pinguine. Danach folgte der Weg über Nordamerika. 2011 wurde er von den Philadelphia Flyers in der vierten Runde an Position 118 gedraftet, spielte in der WHL für Seattle und Portland und später in der AHL für Adirondack. Dort absolvierte er 95 AHL-Spiele, bevor er 2014 nach Deutschland zurückkehrte und sich in Berlin von Beginn an bewies.

Seitdem steht Noebels für etwas, das in der DEL enorm wertvoll ist: deutsche Top-End-Qualität mit internationaler Erfahrung, Playoff-Routine und offensiver Verantwortung. Er war Nationalspieler, Olympia-Teilnehmer 2018 und Teil des deutschen WM-Kaders 2023, der Silber gewann. In der DEL wurde er 2020 und 2021 als bester Stürmer beziehungsweise Spieler des Jahres ausgezeichnet.

Die Zahlen

Die DEL-Zahlen sind deutlich. Noebels kommt auf insgesamt 668 DEL-Spiele, 169 Tore, 356 Vorlagen und 525 Punkte. Das macht 0,79 Punkte pro Spiel über seine gesamte DEL-Karriere. In den Hauptrunden stehen 556 Spiele, 139 Tore, 295 Assists und 434 Punkte. In den Playoffs sind es 112 Spiele, 30 Tore, 61 Assists und 91 Punkte.

Gerade dieser Playoff-Wert macht den Transfer aus Haie Sicht interessant. Noebels ist kein Spieler, dessen Bedeutung im April kleiner wird. Im Gegenteil: In den diesjährigen Playoffs kam er in 15 Spielen auf 5 Tore, 9 Vorlagen und 14 Punkte, dazu +14. Gegen die Haie selbst sammelte er in der Halbfinalserie in fünf Spielen 1 Tor und 4 Vorlagen. Im Finale gegen Mannheim legte er weitere 2 Tore und 5 Assists nach.

Auch die jüngsten Hauptrundenzahlen zeigen, dass Noebels weiterhin produktiv ist, auch wenn der absolute statistische Peak hinter ihm liegt. 2025/26 kam er in 42 Hauptrundenspielen auf 9 Tore und 20 Assists. 2024/25 waren es 10 Tore und 21 Vorlagen in 45 Spielen. 2023/24 lag er mit 47 Punkten in 50 Spielen noch einmal deutlich näher an der Point-per-Game-Marke.

Was bringt Marcel Noebels mit?

Noebels bringt vor allem Spielintelligenz. Er ist kein reiner Abschlussspieler, sondern ein Stürmer, der Reihen ordnen und Angriffe strukturieren kann. Seine Assist-Werte zeigen das sehr klar. 356 Vorlagen in der DEL, dazu 61 Playoff-Assists, sind keine Begleitstatistik.

Er kann das Spiel verlangsamen, Scheiben halten, Mitspieler einsetzen und in engen Spielen Entscheidungen vorbereiten. Seine Größe hilft ihm in Zweikämpfen, sein Passspiel macht ihn für Überzahlformationen interessant. Gleichzeitig hat er in Berlin über Jahre in einem System gespielt, in dem individuelle Qualität immer in mannschaftliche Struktur eingebettet war. Genau das macht diesen Transfer für die Haie so interessant und wohlmöglich kostbar.

Denn Köln sucht nicht nur Punkte. Die Haie suchen Spieler, die wissen, wie man durch lange Playoff-Serien kommt. Noebels hat diese Erfahrung im Überfluss. Fünf Meisterschaften mit Berlin sind kein Zufall, sondern Ausdruck eines Profils, das in entscheidenden Phasen funktioniert. Für Haie-Fans ist das natürlich ein reizvoller Gedanke: Ein Spieler, der in den vergangenen Jahren regelmäßig auf der anderen Seite stand, soll nun helfen, genau diese Lücke zu schließen.

Platz im Haie-Kader

Die spannende Frage ist nicht, ob Noebels Qualität mitbringt. Die Frage ist, welche Qualität die Haie ihm geben. Mit 34 Jahren kommt er nicht mehr als langfristiges Projekt, sondern als Sofort-Hilfe. Gleichzeitig wäre es falsch, ihn nur über das Alter zu bewerten. Seine Playoffs 2026 sprechen dagegen.

Noebels kann in Köln mehrere Rollen übernehmen. Als spielstarker Flügel neben einem dynamischen Center könnte er eine Reihe offensiv stabilisieren. Als Center wäre er eine Option, wenn die Haie mehr Erfahrung und Puckkontrolle in der Mitte benötigen. Im Powerplay ist seine Übersicht wertvoll, im Fünf-gegen-Fünf vor allem seine Fähigkeit, Scheibenbesitz in kontrollierte Angriffe zu übersetzen.

Für die Haie ist dieser Transfer auch ein Signal. Nach der Finalniederlage 2025 gegen Berlin und dem Halbfinal-Aus dieses Jahr gegen eben diese Eisbären holen sie einen Spieler, der auf der anderen Seite genau wusste, wie man Köln weh tut. Jetzt soll er helfen, diese Qualität in die eigene Mannschaft zu bringen.

Noebels macht die Haie nicht automatisch zum Meister. Das wäre zu einfach gedacht. Aber er gibt ihnen etwas, das man im Sommer nur schwer findet: nachgewiesene Playoff-Produktion, deutsche Qualität, Führungsfähigkeit und Titelwissen. Wenn Köln den nächsten Schritt gehen will, ist genau diese Mischung wertvoll.

 

Hier findet Ihr den Artikel zu Daniel Fischbuch, die weiteren Neuzugänge folgen.