Geduld gefragt
Geduld ist gefragt bei den Haien und im Umfeld. Dies galt auch für das Spiel gegen Berlin. Es dauerte 50 Minuten, bis die Haie endlich so spielten, wie die Fans es sich über 60 Minuten wünschen würden. Am Ende reichte es für einen Punkt bei der 5:6 Niederlage nach Shootout gegen die Eisbären.
Auch zu Beginn der Ära Jalonen brauchte es Geduld, aber es scheint geduldig sein hat man in den letzten zwei Jahre etwas verlernt.
Vor dem Spiel
Viel hatte sich unter der Woche nicht geändert. Storm ersetzte den angeschlagenen Aubry im Line-up. Bei den Eisbären kam Neuzugang Foudy zum Einsatz. Er ersetzte Griva im Sturm und dadurch rutschte – vermutlich – auch Reinke aus dem Team. Berlin durfte auf Grund der U-Regelung nicht das komplette Line-up füllen.
Die Haie spielten erstmalig im roten 3rd Jersey.
1. Drittel
Die Haie hatten direkt die erste Chance. Als Niedenz Fleischer in Szene setzte, konnte LaFontaine sich das erste Mal auszeichnen. Die erste Strafe der Haie nutzte Berlin dann direkt aus. Tiffels brachte die Scheibe in den Slot und Ronning hatte an der springenden Scheibe als letzter die Kelle dran (4.).
Die Antwort der Haie kam aber zügig. Erst ließ MacLeod noch eine Scheibe frei vor LaFontaine verspringen, dann bediente Russell aus der Hintertorposition Noebels im Slot. Der Ex-Berliner wurde von den alten Kollegen völlig vergessen und er bedankte sich auf seine Art, verzichtete aber auf den großen Jubel (8.).
Berlin übernahm die Partie aber ziemlich schnell wieder. Keine Minute später schlug die erste Reihe zu. Ronning auf Kirk und der bekam nicht genug Druck (9.). Seit der Brite in der Liga ist, gibt es nur einen Spieler der häufiger traf: Ronning.
In Überzahl hätte er sogar noch nachlegen können, sein Schuss fand aber nur den Pfosten. Danach fanden sich die Haie langsam wieder zurecht. MacInnis überwand LaFontaine, aber die Scheibe wurde im letzten Moment von der Linie gekratzt. So fiel der Ausgleich erst in der letzten Minute des Drittels. Bei angezeigter Strafe spielten sich die Haie im gegnerischen Drittel fest und hatten die Geduld, bis Austin abdrücken konnte.
2. Drittel
Nach der Strafe mit dem Abpfiff der ersten 20 Minuten gingen die Haie mit Powerplay in den Mittelabschnitt. Es folgte die Führung mit dem Spieler mehr, mit einem Powerplaytreffer hatte das Tor aber wenig zu tun. Fleischers Schuss fand noch abgefälscht den Weg an LaFontaine vorbei.
In den nächsten Minuten verflachte die Partie etwas. Berlin nutzte erneut ein Powerplay zum Ausgleich. Vikingstad fand am langen Pfosten den Rebound (29.). Die Eisbären gingen dann auch wieder in Führung, weil Juvonen einen eher harmlosen Eder-Schuss durchrutschen ließ (36.).
Für den Kölner Goalie – in den ersten 8 Tagen der Saison noch nicht in Vorjahresform – schien dies eine Art „Hallo, wach“ zu sein.
3. Drittel
Berlin erhöhte in der 42. Minute auf 5:3. Tyrväinen rauschte in Juvonens Parade und brachte die Scheibe über die eigene Linie. Die Gäste hatten die Partie in der Folge im Griff und es sah nichts nach einem Comeback der Haie aus. Veilleux (49.) und Ronning (52.) hätten die Partie entscheiden können. Die Fans wurden unruhig.
Dann traf MacLeod die Latte (53.) und das läutete die Schlussoffensive der Haie ein. Plötzlich lief die Scheibe und das Spiel nach vorne funktionierte. LaFontaine war der Turm in der Schlacht der aufgescheuchten Berliner Defensive. Aber mehrere gute Chancen ließen die Haie liegen.
Als Juvonen vom Eis war, schlugen die Haie dann endlich zu. Noebels hatte am langen Pfosten die Ruhe trotz Gegner und Goalie die Scheibe gut genug zu platzieren (58.) 90 Sekunden vor dem Ende nahm dann Wissmann eine Strafe wg. Spielverzögerung. Berglund nahm die Auszeit und stellte seine sechs Spieler nochmal ein.
Es wirkte. Der Russell-Spielzug über MacLeod und Noebels brachte 63 Sekunden vor dem Ende den Ausgleich. Und dann hätte sich die Geschichte fast noch selbst geschrieben, aber Noebels verpasste drei Sekunden vor Ende der Partie den Hattrick und den Sieg der Haie gegen LaFontaine.
Overtime und Shootout
Es ging in die Overtime. Berlin bekam ein Powerplay, konnte dies aber gegen stark verteidigende Haie nicht nutzen. Große Chancen ergaben sich auf beiden Seiten nicht.
Auch im Shootout dauerte es bis zum elften Schützen, bis wieder ein Tor fiel. Foudy bezwang Juvonen und da die Haie nicht antworten konnten, nahmen die Eisbären den Extrapunkt mit nach Hause.
Fazit
Es war Geduld gefragt und es wird Geduld gefragt sein. Bis das neue Spielsystem in Fleisch und Blut übergegangen ist, bis Juvonen wieder in Topform ist und nicht wie ein Normalsterblicher wirkt. Da Geduld im Sport nicht immer vorhanden ist, wundert es nicht, dass man gestern Namen wie Schnarr und Jalonen fast häufiger hörte als den für den dieses Spiel gemacht war.
Marcel Noebels. Der Ex-Berliner traf doppelt, musste vor und nach dem Spiel vor unzählige Mikros – auch unseres – und sollte das Ganze dann auch noch emotional nüchtern betrachten. Es gelang mit Bravour, obwohl er sicherlich gerne das I-Tüpfelchen – in Form von Hattrick und Sieg – noch mitgenommen hätte.
Die Haie zeigen immer mal wieder, dass sie es können und was sie können. Aktuell reicht dies aber in der DEL noch nicht für 60 Minuten. Daran wird das Team arbeiten.
Schon am Sonntag gibt es die nächste Chance auf drei Punkte. Dann wird der Name Noebels ersetzt durch Ancicka/Glötzl und es können neue Geschichten geschrieben werden.
Stimmen zum Spiel
Die Pressekonferenz mit Eric Dubois und Henrik Stridh sowie das Interview mit Marcel Noebels
Hard Facts
Kölner Haie – Eisbären Berlin 5:6 SO (2:2, 1:2, 2:1, 0:0, 0:1)
Schüsse: 32 – 32
Strafminuten: 14 – 8
Bullies: 35 – 28
Kölner Haie
Juvonen – Brückmann
Vittasmäki – Kemiläinen, Austin – Press, Müller – Sennhenn, Händel
Noebels – MacLeod – Russell, Fleischer – Ljungh – Niedenz, Kammerer – Tyrväinen – Fischbuch, Storm – MacInnis – M. Münzenberger
Eisbären Berlin
LaFontaine – Neffin
Wissmann – Müller, Geibel – Mik, Smith – Davidson
Ronning – Kirk – Tiffels, Pföderl – Eder – Fontaine, Foudy – Vikingstad – Veilleux, Krestan – Wiederer – Hördler
Zuschauer: 17.592
Foto: Denis Wroblewski / Haie
