Und täglich grüßt das Murmeltier
Wer besagten Film „und täglich grüßt das Murmeltier“ nicht kennt, sollte es nachholen. Die Haie unterlagen am Dienstagabend zum zweiten Mal binnen elf Tagen dem Kellerkind aus Schwenningen – diesmal mit 2:3 nach Verlängerung. Die Leistung des KEC war zwar etwas besser als beim ersten Aufeinandertreffen mit den Schwarzwäldern, doch erneut konnte eine Führung in der Schlussphase nicht verteidigt werden.
Vor dem Spiel
Coach Thomas Berglund musste erneut improvisieren, weil Spielmacher Gregor MacLeod krank ausfiel. Für ihn rückte Tim Fleischer in die erste Formation. Ansonsten gab es keine Veränderungen zum 4:1 gegen Bremerhaven, Janne Juvonen bekam erneut den Start im Kasten.
1. Drittel
Köln startete recht druckvoll in die Partie, ohne jedoch die ganz großen Möglichkeiten herauszuspielen. Auf der anderen Seite hatte man Glück, dass Robin Press bei einer 2-auf-1-Situation der Gäste stark den Querpass wegnahm und dem einschussbereiten Sebastian Uvira somit die Großchance „vermasselte“.
Wenig später entschärfte Juvonen zudem einen Alleingang von Mirko Höfflin. Die beste Chance der Haie hatte dann Patrick Russell, doch sein Rückhand-Nachschuss landete am Körper von Schlussmann Joacim Eriksson. Eriksson rettete auch artistisch in höchster Not gegen eine abgefälschte Scheibe die Brady Austin auf die Reise geschickt hatte.
2. Drittel
Zu Beginn des zweiten Abschnitts verfiel der KEC ein wenig in Lethargie und die Gäste nutzten dies aus. Philip Feist bekam auf der rechten Seite etwas zu viel Platz und schickte den Puck in den Giebel. Ein perfekter Schuss, da dieser aber im Torhüter-Eck landete, sah der ansonsten gute Juvonen hier trotzdem nicht total glücklich aus.
Die Hausherren mussten sich kurz schütteln, hatten durch Dominik Bokk in der 30. Minute dann die Chance zum Ausgleich, doch wieder war Eriksson zur Stelle. Es brauchte eine doppelte Überzahl, um die Haie auf das Scoreboard zu bringen. Nach Traumkombination über Marcel Noebels und Patrick Russell stand Daniel Fischbuch am langen Pfosten frei und netzte zum 1:1 ein.
3. Drittel
Das Schlussdrittel plätscherte lange vor sich hin, beide Teams waren bemüht, keine Fehler zu machen. Fünf Minuten vor dem Ende musste Torschütze Feist dann wegen Spielverzögerung vom Eis – und die Haie nutzten dies zur Führung. Von Markus Ljunghs Schläger hoppelte die Scheibe über Erikssons Fanghandschuh ins Netz.
Der Erfolg wirkte nahe, doch zweieinhalb Minuten vor dem Ende schickte Schiedsrichter André Schrader dann Daniel Fischbuch auf die Strafbank. Bitter für Köln, denn leider war es eine Fehlentscheidung des WM-Referees – Fischbuch hatte den Puck gespielt und auch ein Stockschlag lag nicht wirklich vor. Der folgenschwere Call führte dazu, dass Schwenningen mit gezogenem Keeper doppelte Überzahl spielen durfte. Zur Wahrheit gehörte aber auch, dass der KEC diese Situation einmal mehr schlecht verteidigte und Ex-Hai Hakon Hänelt völlig ungedeckt vor Juvonen zum 2:2 einschieben konnte.
Overtime
Wenige Sekunden waren hier gespielt, da war Maxi Kammerer frei durch. Der Angreifer blieb jedoch glücklos und kam nicht an Eriksson vorbei. Auf der Gegenseite ließ Hänelt dann Valtteri Kemiläinen stehen und legte auf Höfflin ab, der aus spitzem Winkel zum Sieg traf. So blieb es bei einem Punkt für die Haie.
Fazit
Bereits zum zweiten Mal kassierten die Haie bei gezogenem Torwart des Gegners einen Treffer und verschenkten somit Zählbares. Insgesamt waren die Kölner etwas verbessert, aber der Ausfall von MacLeod war an allen Ecken und Enden zu spüren.
Das Experiment mit Fleischer in Reihe funktionierte nicht, im Schlussdrittel stellte Berglund dann sogar Routinier Frederik Storm in die erste Reihe. Alles in allem ein gebrauchter Abend. Wieder ließ die Körpersprache der Haie über weite Strecken zu wünschen übrig. Der unbedingte Wille, Spiele vor heimischem Publikum aus dem Feuer zu reißen, ist leider (noch) nicht immer erkennbar – fünf von acht Heimspielen gingen verloren, nachdem man in der Vorsaison daheim 20 von 26 Partien gewinnen konnte.
Das Winner-Gen, das den KEC in der letzten Hauptrunde auszeichnete, ist derzeit völlig verloren gegangen. Es liegt nun auch am Trainer-Team, dieses schnellstmöglich wiederzufinden. Oder eben auch: Und täglich grüßt das Murmeltier.
Stimmen zum Spiel
Die Pressekonferenz mit Steve Walker und Thomas Berglund sowie das Interview mit Markus Ljungh.
Hard Facts
Kölner Haie – Schwenninger Wild Wings 2:3 OT (0:0, 1:1, 1:1, 0:1)
Schüsse: 27 – 21
Strafminuten: 6 – 8
Bullies: 24 – 37
Kölner Haie
Juvonen – Wiens
Vittasmäki – Kemiläinen; Sennhenn – Press; Müller – Austin; Händel
Noebels – Russell – Fleischer; Bokk – Ljungh – Aubry; Kammerer – Tyrväinen – Fischbuch; M. Münzenberger – Storm – Späth
Schwenninger Wild Wings
Eriksson – Wolf
Trivellato – Bittner; Weber – Dziambor; Schemitsch – Martinsson, Wilde – Peters
Feist – Platzer- Karachun, Hänelt – Cornel – Höfflin, Uvira – Valk – Bassen, Hempel – Hübner
Zuschauer: 14.844
Foto: Haiepictures
